Der Staatsanwalt steht am Empfang …

Rund die Hälfte aller deutschen Groß- und mittelständischen Unternehmen, nahezu sämtliche Großbanken und börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben Erfahrungen mit staatlichen Ermittlungsbehörden und dem nicht compliance-gerechtem Verhalten ihrer Mitarbeiter gemacht.

Erfahrungsbericht

Es ist 7:15 Uhr an einem nasskalten Wintermorgen. 15 bewaffnete Polizeibeamte passieren das Haupttor eines süddeutschen Autozulieferers und schwärmen auf dem Firmengelände in alle Himmelsrichtungen aus. Einige Uniformierte mischen sich unter die Beschäftigten in der Produktion und stellen Fragen, der Rest nimmt Kurs auf das Verwaltungsgebäude. In der Buchhaltung angekommen zückt der Einsatzleiter den Durchsuchungsbeschluss, konfisziert Computer und Akten, noch bevor die zuständigen Staatsanwälte am Einsatzort angekommen sind. Danach zieht die Truppe weiter in Richtung Geschäftsführer-Büro. Schränke werden geöffnet, Akten kartonweise im Blitzlicht der wartenden Journalisten abtransportiert. ,Wo bleibt nur der Chef?’, fragt sich die Sekretärin. Was sie nicht weiß: Ein zweites Einsatzkommando durchsucht gerade das Privathaus des Managers.

Razzien in Unternehmen und Privatwohnungen von Managern kannte die deutsche Öffentlichkeit bis vor wenigen Jahren nur aus der italienischen Presse. Doch seit die Staatsanwälte bei Volkswagen, der Deutschen Telekom, der Deutschen Bahn und Siemens medienwirksam ein- und ausgingen, kann sich kaum ein namhaftes Unternehmen vor Ermittlungen wegen Korruption, Steuerhinterziehung, Untreue oder Kartellvergehen sicher sein.

Quelle: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht Dr. Klaus Leipold, Lohberger & Leipold, Brienner Straße 56, 80333 München; zitiert von Marcus Creutz, Handelsblatt – Legal Success vom 26.03.2009, Seite 8